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»Nessun dorma« di Paul Potts. Una tragedia perfido


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Auch am heutigen Tag führt die CD »Paul Potts: One Chance« (Sony/BMG) gleichzeitig die deutsche Liste der sogen. Top-Alben in der Kategorie Klassik bei iTunes und Amazon.de an. Erschienen ist diese Produkt am 13. Juli 2007 – also vor über einem Jahr …

Es stellen sich somit zumindest vier Fragen: Wer ist Paul Potts? – Was ist »One Chance« für eine CD? – Gehört diese CD zurecht in die Kategorie Klassik? – Was sind die möglichen Gründe für einen solchen kommerziellen Erfolg?

Google gibt bei der Suche nach Paul Potts schlappe 4.140.000 Ergebnisse an. Nehmen wir direkt den an erster Stelle stehenden Beitrag von Wikipedia.de:

Paul Potts (*13. Oktober 1970 in Bristol) aus Port Talbot in South Wales ist ein britischer Tenor. Er wurde international bekannt durch seine Auftritte in der englischen Castingshow »Britain’s Got Talent« im Jahre 2007.
Paul Potts stammt aus einem einfachen Elternhaus. Seine Mutter war Kassiererin und der Vater Busfahrer. Seine Eltern gehörten zu der bildungsfernen Schicht und hatten kein Interesse für klassi[s]che Musik. Inspiriert wurde die Leidenschaft von Paul Potts für die Oper durch eine ältere Aufnahme von Carreras. »Ich kaufte eine billige Carreras-Aufnahme«, erinnert er sich. »Ich hörte zum ersten Mal ›Che Gelida Manina‹[sic!] und es bewegte mich. Bis heute ist ›La Boheme‹[sic!] meine Lieblingsoper.« Er bildete seine Gesangstimme durch privat finanzierten Unterricht. Im Jahre 1999 nahm er an der britischen Talentshow »My kind of Music« teil und gewann 8.000 £.
Mit Hilfe dieses Gewinns nahm er in Nord-Italien Unterricht an Opernschulen unter Vilma Vernocchi und Katia Ricciarelli und wurde in die Meisterklasse aufgenommen. Für seine Ausbildung bezahlte er rund 12.000 £  (ca. 18.000 €).
Zwischen den Jahren 1999 und 2003 trat er auf verschiedenen Bühnen als Tenor ohne Gage auf. Herauszuheben sind seine Auftritte an der Amateuroper »Bath Opera« im Jahre 2001 als Don Carlos in der Oper »Don Carlos« und als Radames in der Oper »Aida«, beide von Giuseppe Verdi. Seine Auftritte wurden zwar im Fernsehen und Radio veröffentlicht, führten jedoch nicht zu seinem Durchbruch.
Durch schwere Schicksalsschläge und finanzielle Probleme wurde es für ihn im Jahre 2003 unmöglich, seine Karriere als Sänger weiterzuführen. Bis zu seinen berühmten Auftritten im Jahr 2007 arbeitete Potts seit 2003 zunächst zwei Jahre in der Supermarktkette »Tesco« und danach als Verkäufer von Mobiltelefonen in der Einzelhandelskette »The Carphone Warehouse«, bei der Potts im Jahr 2006 zum leitenden Angestellten aufstieg.
Am 8. Juni 2007 trat Paul Potts nach drei Jahren Pause in der britischen Castingshow »Britain’s Got Talent« von Simon Cowell des Senders ITV in Cardiff auf. Er präsentierte eine gekürzte Version der Arie »Nessun dorma« von Giacomo Puccini. Bei seinem Auftritt wurde Potts zunächst vom Publikum und den Juroren (Simon Cowell, Piers Morgan und Amanda Holden) skeptisch betrachtet. Nach wenigen Takten verblüffte und begeisterte Potts jedoch mit seinem tief emotionalen Gesang die anwesenden Zuschauer, die dem Kandidaten daraufhin spontan applaudierten.
Bei seinen weiteren Auftritten am 14. Juni 2007 und 17. Juni 2007 setzte sich sein Erfolg mit dem Hauptteil des Stückes »Con te partirò« (Time to Say Goodbye) von Francesco Sartori und der ungekürzten Version von »Nessun Dorma«[sic!] fort. Potts ging aus dem Wettbewerb als Gewinner hervor und durfte zur Belohnung am 3. Dezember 2007 in der »Royal Variety Performance 2007« vor der britischen Königin Elisabeth II. auftreten.
Neben seiner spontanen Berühmtheit erhielt Potts einen Gewinn von 100.000 £  (rund 125.000 €) sowie einen Vertrag in Höhe von 1.000.000 £  (rund 1.250.000 €). Den Vertrag erhielt er von Simon Cowell als Produzent des Plattenlabels Sony BMG. Paul Potts erstes Album mit dem Namen »One Chance« erschien im Jahr 2007.
Paul Potts ist seit dem Jahr 2003 mit seiner Frau Julie-Ann verheiratet, die er über das Internet kennenlernte.
Ausschnitte der Sendung »Britain's Got Talent« auf Videoportalen wie »YouTube« machten Potts weltweit bekannt. In zahlreichen Ländern konnte sich sein Album »One Chance« in den Charts platzieren, in vielen erreichte es sogar Platz 1. Im Juli 2008 wurde sein Auftritt aus »Britain’s Got Talent« in einem Werbespot des Unternehmens »Deutsche Telekom« verwendet. Dies führte dazu, dass seine Aufnahme von »Nessun dorma« so stark nachgefragt wurde, dass sie es alleine durch Downloadverkäufe auf Platz 12 der Charts in Deutschland schaffte. Auch sein Album, das 2007 nur Platz 31 erreicht hatte, kehrte auf Platz 16 in die Charts zurück. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Potts


Paul Potts war also Teilnehmer=Opfer einer walisisch=britischen Variante der global-medialen Castingseuche. Und wie sich hier sehr schön zeigt, schreiben offenkundig bei Wikipedia die Marketing-Abteilungen von Medienunternehmen in der Tradition von Hedwig Courths-Mahler die Beiträge …

Aber welche Ausbildung hat er in den »Opernschulen« von Vilma Vernocchi, Katia Ricciarelli und – wie man inzwischen längst herausgefunden hat – Luciano Pavarotti erhalten?

Hören wir uns also »One Chance« an … … … Klassik? … … »Nessun dorma«?

Zunächst: »One Chance« hat mit Klassik soviel zu tun wie die Machwerke des niederländischen Fi(e)dlers André Rieu, dessen Walzer-Aufnahmen der legendäre Carlos Kleiber als »noch nicht mal Dreck« bezeichnete. Bei Potts gibt’s neben »Nessun dorma« nur Schlager, Pop & Musical. So etwas könnte man getrost als »Crossout« bezeichnen.

Und »Nessun dorma« ist ein einziges Jammertal. Wirft man einen Blick auf Puccinis Notationen, so stellt man fest, dass 80% der Arie vokaltechnisch einfach nicht stattfinden. Die restlichen 20% sind ein skurril-tragisches Missverständnis. Paul Potts singt eine »Fantasie über ›Nessun dorma‹ aus Puccini’s ›Turandot‹«. Eine exacte Analyse des Gesangs von Paul Pott verbittet sich von selbst, denn dem Mann wurde offensichtlich schon übel genug mitgespielt.

Der Erfolg dieser vokalen Katastrophe lässt sich – abgesehen von den perfiden Strategien skrupelloser Medienhändler – vermutlich nur mit zwei impliziten Aspekten begründen. Hier bedient man sich emotionaler & zunehmend ökonomischer Verelendung grosser Bevölkerungsschichten, die offenkundig nicht nur keine Ahnung von Operngesang (mehr) haben, sondern die virtuellen Inszenierungen längst als realistischen (=wahren) Bestandteil ihrer eigenen Erfahrungswelt verstehen. Sie sind objektiv nicht mehr selbständig in der Lage, den Unterschied zwischen Jussi Björling & Paul Potts zu erfassen. Ihre emotionale Bedingtheit verlangt geradezu nach egalitären Vernichtungen.

Der Erfolg von »One Chance« ist eine Erfolgsgeschichte aus andauernder Kriegszeit. Oder wie die lauschkundige Deutsche Telekom AG sagt: »Erleben, was verbindet.«.