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Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn gestorben


Der russische Literaturnobelpreisträger Alexander Solschenizyn ist am Montag im Alter von 89 Jahren in Moskau gestorben. Er starb nach Angaben der russischen Agentur Interfax an den Folgen eines Hirnschlags.

solschenizyn_dpa
Der russische Präsident Dmitri Medwedew sprach der Familie des weltweit geschätzten Autors sein Beileid aus. Der Schriftsteller und Historiker hatte sich seit Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit sehen lassen. Er starb den unbestätigten Angaben zufolge an den Folgen eines Hirnschlags. Der Nobelpreisträger von 1970 galt seit Monaten als geschwächt.

Als Solschenizyns Hauptwerk gilt der »Archipel Gulag«, in dem er mit Tausenden von Beispielen den stalinistischen Terror in der Sowjetunion darstellt. Den Terror hatte Solschenizyn in neun Jahren Straflager und Verbannung selbst zu spüren bekommen und bereits 1962 in seinem ersten Werk »Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch« geschildert. Als ihm 1970 der Nobelpreis verliehen wurde, verweigerte ihm das Sowjet-Regime aber die Ausreise zur Preisübergabe. Nach der Veröffentlichung des »Archipel Gulag« wurde Solschenizyn verhaftet und ausgewiesen. Zunächst nahm ihn Heinrich Böll in Köln auf.

Solschenizyn siedelte schließlich in die USA über und kehrte 1994 nach Russland zurück. Dort kritisierte er fehlgeleitete Reformen und den Mangel an Demokratie unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin. Als Mahner für ein Russland auf der Grundlage von Gemeinsinn und orthodoxem Glauben fand Solschenizyn aber immer weniger Gehör. Wiederholt forderte Solschenizyn, Russland dürfe die westliche Demokratie »nicht ohne Verstand nachäffen«, sondern müsse sich mehr um das »moralische Wohlergehen« des eigenen Volkes kümmern.

Bei der Verleihung des Staatspreises, der höchsten Auszeichnung Russlands, im Juni 2007 war der frühere Regimekritiker schwer vom Alter gezeichnet. Seine Dankesrede ließ er im Kreml über eine Videobotschaft einspielen. Später zeigte das Staatsfernsehen, wie der damalige Präsident Wladimir Putin den im Rollstuhl sitzenden Solschenizyn in seinem Haus und Arbeitszimmer besuchte. Zu Sowjetzeiten hatte der Schriftsteller eine Ehrung durch das System stets abgelehnt – auch den Staatspreis.

Als er die Auszeichnung für humanitäre Verdienste annahm, beschwor der Autor im vergangenen Jahr die geistige Einheit seines Landes. Nur so seien die bitteren Erfahrungen vergangener Jahre zu überwinden und neue unheilvolle Schicksalsschläge abzuwenden. Weil der Autor selbst sichtlich geschwächt war, nahm seine Frau Natalja die mit fünf Millionen Rubel dotierte (144000 Euro) Auszeichnung von Putin entgegen. »Bis an mein Lebensende hoffe ich, dass meine historischen Arbeiten ins Bewusstsein und in die Erinnerung der Menschen übergehen«, sagte Solschenizyn im Sommer 2006.

»Die Auszeichnung gibt Hoffnung, dass unser Land die Lehren aus seiner Selbstzerstörung im 20. Jahrhundert gezogen hat und diese Geschichte sich nicht wiederholt«, sagte Solschenizyns Frau anlässlich der Übergabe. Über die Politik Putins, der inzwischen Regierungschef ist, und das Erstarken der russisch-orthodoxen Kirche in seinem Land hatte sich der konservative Historiker Solschenizyn in den vergangenen Jahren immer wieder positiv geäußert. Er unterstützte auch die umstrittene Tschetschenienpolitik seines Landes.

In der Einspielung am russischen Nationalfeiertag war der hagere Schriftsteller in einem grauen Anzug und weißem Hemd mit Krawatte zu sehen, im Hintergrund ein großes Bücherregal.

Solschenizyn ist seit seinen letzten Schriften zur Geschichte des Judentums in Russland und der früheren Sowjetunion umstritten, weil er russischen Juden auf Grundlage dürftiger Quellen eine Mitschuld an der kommunistischen Diktatur gegeben hatte. Stalin selbst hatte bei »Säuberungsaktionen« in den 1930er Jahren viele Juden töten lassen. Auch während seines Exils in den USA hatten Kritiker Solschenizyn eine antisemitische Haltung vorgeworfen.

Der Präsident der Akademie der Wissenschaften Russlands, Juri Ossipow, hatte Solschenizyn jedoch im vergangenen Jahr als einen der »größten Historiker und Philologen« des 20. Jahrhunderts gewürdigt. Besonders verdienstvoll sei Solschenizyns Bibliothek über die Exil- Russen. Die Stiftung »Russisches Ausland« in Moskau beherbergt in ihrem Gebäude mehr als 50.000 Bände über die Emigration von Russen seit 1917. In seiner Heimat entsteht im Moskauer Verlag Wremja bis 2010 die erste Gesamtausgabe seiner Werke in 30 Bände.





Deutschsprachige Verlage


Die Verlagsliste mit Links zu 184 deutschsprachigen Verlagen wurde fertiggestellt.




›Dunkle Energie‹ nur noch für 3 Wochen


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Nur noch bis zum 27. Juli 2008 ist die große Einzelausstellung
Henning Brandis : „WO >>DUNKLE ENEGERIE<<“
in der Villa Oppenheim – Galerie für Gegenwartskunst geöffnet.





Henning Brandis – Kairós der ikonographischen Eruptionen


1968: Die intellektuelle Sohnesklage gegen die Väter – die Tochterklage wird nicht lange auf sich warten lassen, aber einen ganz anderen Ton anschlagen – eröffnet in ihrer historisch bedingten Penetranz auch der institutionellen Kunst die Möglichkeit, sich umfassend zu reformieren. Lehrkörper werden verdrängt von lehrenden Künstlern. Die Düsseldorfer Kunstakademie wird für einige wenige Jahre zum Zentrum dieser Entwicklung.

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Henning Brandis gelingt in dieser Zeit und an diesem Ort eine Erstarkung seiner habituellen Vernunft und die Grundlegung zu der MetaPhysik seiner Bildsprache. Das hier ausgestellte Partial seines weit- & weltläufigen Lebens=Werkes ist in der zeitgenössischen Kunst von singulärem Charakter. Singulär naturgemäß weder im Kontext zeitgeistiger Wertstellungspraxis noch als marketing file des Kunstmarktes. Singulär allein dadurch, dass Henning Brandis seine Arbeit stets als ganzheitliches Handeln im richtigen Moment (kairós) bloßer Einsicht und größter Gefahr versteht. So weisen sich die Zeichnungen, Objekte und Installationen gleichsam als Handlungszeugnisse ihrer selbst aus.

Der – auf den ersten oder gar noch zweiten Blick – enigmatische Werkcharakter gründet sich nicht im Vexierspiel von An- & Ablehnung intertraditioneller Kunstvorstellungen, sondern in deren wahrer Radikalisierung, getragen von antikem Stolz und befreiend im aufklärerischen Sinne. Das Rätsel ist und bleibt das Sichtbare, das sich im Moment der Entdeckung in zarte oder heftige, versunkene oder zirkulierende Materialien, archaische Rückformungen, Farben mit feinsten Glissandi, säkulare Tonsetzungen, verschlüsselte Codes und Zeichen aus fernsten Zeiten und in Zwischenräume voller Stille verwandelt. Uns Heutigen fällt es immer schwerer, Stille dieser Art überhaupt noch wahrnehmen zu können, geschweige die innere Kraft aufzubringen, ihr mehr als einen AugenBlick standzuhalten.

Verspüren wir nicht bereits beim bloßen Einblick in die bildhaften Erinnerungsverstrickungen dieser Werke schmerzhaft unser aller Verlust an Ich-Zeit? Ein Kompensieren in narzisstische Egonautik verweigert Henning Brandis sui generis. Statt Ausweichen in kunstmystische Gefilde oder der Schaffung illustrer Kunstplacebos, konfrontiert er auf hochmögende Weise den virulenten Verlust anthropologischer Geborgenheit mit (dem Theorem von) der absoluten Verborgenheit: der DUNKLEN ENERGIE. Die subversiven Talente seiner Kunstfähigkeit konstatieren eine Realität, in der kein Schnitt mehr die Zeit gliedert, kein Maß mehr existiert, um Symmetrie in den gleich=gültigen Ablauf zu bringen. Doch er bietet Kronos, dem ungehemmten Zeitfresser, auf seine friedliche, ja fast zärtliche Weise mit materieller Transparenz die Stirn. Und so strahlen inmitten ikonographischer Eruptionen, den widergängerischen Augenblicken der Gefahr, Momente erfüllten Gelassenseins auf, die uns zu beseelen und zu behorten vermögen.

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»Im Anfang war was? Es bewegten sich die Dinge sozusagen frei, weder in krummer noch in gerader Richtung. Sie sind urbeweglich zu denken, sie gehn wohin sie gehn, um zu gehn, ohne Ziel, ohne Willen, ohne Gehorsam, nur als Selbstverständlichkeit, sich zu bewegen, als urbeweglicher ›Zustand‹. Es ist zunächst nur ein Prinzip: Sich zu bewegen, also kein Bewegungsgesetz, kein besonderer Wille, nichts Spezielles, nichts Geordnetes.« (Paul Klee) Beobachtungen, die sich, wenn auch nicht expressis verbis, in den Werken des ZeichenSetzers Henning Brandis mühelos auffinden lassen. Auf das wesentliche Paradoxon seiner Kunstexistenz verweist der Ausstellungstitel hingegen selbst.

1998 begründete der theoretische Astrophysiker und Kosmologe Michael S. Turner die Theorie von der sich beschleunigenden Ausweitung des Universums erstmals durch die Existenz dessen, was er Dunkle Energie nannte. Fast dreiviertel der Gesamtenergie des Universum stelle sie dar. Nur das restliche Viertel bestehe aus dunkler und normaler Materie.

Dieser Dunklen Energie spürt Henning Brandis nach. Er, dem sowohl der kosmologische wie der ästhetische horror vacui stets fremd blieb, macht mit dezidierten Mitteln allgewärtig sichtbar, ob und wie sich Energie, Seele, Gefühl und Gedächtnis in der Kunst verorten lassen. Die bewusste Einbeziehung ostasiatischer Formfindungen ermöglichten diesem nomadisch Suchenden, der Leere (in Fläche und Raum) mit spielerischer Freude den ihr gebührenden Respekt zu erweisen.

So wird Henning Brandis auf seinen Expeditionen in den Alltag zum Entdecker aus der profanen Ordnung gefallener Erscheinungsformen, bei denen die Bezeichnung ›Objekte‹ zu kurz greifen würde. In ihrer jeweils wiedererlangten Autonomie sind sie Ausgangspunkte präziser Neuanordnungen, die sich auch disparate Darstellungsformen – mit nahezu kindlichem Vertrauen – zu eigen machen: tibetische Kosmogonie, japanisches Spätmittelalter, afrikanische Volkskulturen und die Ismen der westlichen Moderne.

Viele Arbeiten dieses Weltenfinders habe ich seit Jahren täglich vor Augen. Ob ich mit ihnen oder sie mit mir leben, lässt sich genauso wenig beantworten wie die Frage, warum sie sich so selbstverständlich meinem Blick darbieten, aber keine Auskunft geben, warum.

Und Beuys? Nach mitternächtlicher Vorbesichtigung überfiel ihn ein Heißhunger auf frische Blutwurst mit Zwiebeln und Röggelchen.

Axel Bäse


Veröffentlicht als Vorwort im Katalog zur Ausstellung Henning Brandis : „WO >>DUNKLE ENEGERIE<<“ in der Villa Oppenheim in Berlin, 01.06. – 27.07.2008

© 2008 Axel Bäse. Alle Rechte vorbehalten



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G R U S S W O R T

menschengefüllter raum
alle stehen verteilt
in erwartung von etwas
das geschehen wird
bilden sie einen kreis
sie bemerken es nicht
aber sie müssen
so fing wohl alles an
von anfang an
seit jeher
der mensch wird zum menschen
durch den Kreis
dessen mitte war stätte
der götter und der toten
einst
die götter haben wir
verwiesen
doch die toten
schwinden nie
die stimme natalja’s
»recherche des langues de les mères«
in der mitte des kreises
jetzt soja
soja ugrjumowa
mit der tochterstimme
in der tochterstimme
statt götter kehren zurück
die engel
im nu
dem ewigen jetzt
achmatova bachmann brodsky
erheben ihren stimmen
und die mitte der stätte
gehört der toten und ihrem engel
wo tochter ist wird mutter sein
untrennbar, aber
eine hommage der befreiung
sie und sie
natalja soja
soja ugrjumowa


abel – 31.05.08