Jazz-Saxophonist Johnny Griffin gestorben


Johnny Griffin, der als »Little Giant« und »Fastest Gun in the West« gefeiert wurde, ist im Alter von 80 Jahren in seinem Haus bei Limoges in Westfrankreich gestorben.



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Der Musiker sei in seinem Anwesen in einem Dorf bei Limoges im Westen Frankreichs gestorben, berichteten französische Medien unter Berufung auf Griffins Agentur am Freitag. Er hatte noch am selben Abend gemeinsam mit amerikanischen und französischen Musikern ein Konzert geben wollen. Der Saxophonist hatte sich vor 18 Jahren in Frankreich niedergelassen.

Man feierte ihn als »Little Giant« und »Fastest Gun in the West«. Doch derlei Lob hat der „schnellste Tenorsaxofonist der westlichen Welt“ zurückgewiesen. Wirkliche Giganten waren für Johnny Griffin immer die anderen, Kollegen wie der Gitarrist T-Bone Walker, die Sängerin Ella Fitzgerald oder der Pianist Thelonious Monk, mit denen er lange gespielt hatte. Natürlich war er schnell, aber darauf kam es ihm gar nicht an. »Nicht die Schnelligkeit ist das Geheimnis, sondern die Intensität«, lautete sein Credo.

Griffin wuchs an der South Side von Chicago auf und kam Anfang der vierziger Jahre an seiner Highschool ins Schulorchester des legendären Musiklehrers Captain Walter Dyett, zu dessen Schülern auch Nat ›King‹ Cole, Dinah Washington und der Saxofonist Gene Ammons gehörten, Griffins erstes Vorbild. Mit 16 Jahren spielte er mit Blues-Größen wie Memphis Slim und Muddy Waters. Mit 18, drei Tage nach seinem Highschool-Abschluss, wurde der Frühbegabte von Lionel Hampton in seine Bigband nach New York geholt.

»Ich mag es, schnell zu spielen«, hat Griffin einmal erzählt. »Ich werde dann immer aufgeregt und versuche, die Selbstkontrolle zu bewahren. Aber wenn die Rhythmus-Sektion anfängt zu brodeln, dann will ich explodieren.« Griffin spielt tatsächlich teuflisch schnell, federnd und leicht zurückgebeugt, mit geschlossenen Augen.

Später wurde sein Klang weicher und lyrischer, aber bis zuletzt blieb Johnny Griffin ein Altmeister, der im »Tenor-Battle« seine jüngeren Herausforderer locker in die Schranken zu weisen wusste.



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Von Johnny Griffin gibt es zu unserem Glück ein reichhaltiges CD-Angebot als Downloads und im Fachhandel.
Und eine vollständiges Verzeichnis seiner gesamten Aufnahmen findet sich beim Jazz Discography Project.



Esbjörn Svensson tödlich verunglückt


Mit seinem Trio erspielte sich der schwedische Jazzpianist Esbjörn Svensson einen legendären Ruf. Nun starb der erst 44 Jahre alte Klaviervirtuose bei einem tragischen Tauchunfall.



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Stockholm / Hamburg – Sein Name wurde in einem Atemzug mit Keith Jarrett, Brad Mehldau und Oscar Peterson genannt: Esbjörn Svensson, schwedischer Jazzpianist und Gründer des Esbjörn Svensson Trios (E.S.T.). Am Sonntag starb der Virtuose im Alter von 44 Jahren bei einem Tauchunfall in den Schärengärten nahe Stockholm.

Das bestätigte der Konzertveranstalter Karsten Jahnke am Sonntag dem »Hamburger Abendblatt«. Der Tod des 44-Jährigen sei ein herber Verlust, sagte Jahnke, der das nach Svensson benannte Jazztrio e.s.t. wiederholt zu Konzerten nach Hamburg geholt hatte, der Zeitung. Mit seinen Mitstreitern Dan Berglund und Magnus Öström habe Svensson eine Einheit gebildet, wie sie selten im Jazz vorkomme.

Mit seinen 13 Alben und seinem Crossover-Mix aus zeitgenössischem Jazz, Rock, Pop und elektronischer Musik erspielte sich Svensson eine legendären Ruf.

Sein Trio wurde vor zwei Jahren mit dem European Jazz Award und dem BBC Jazz Award ausgezeichnet.

E.S.T. war zudem die erste europäische Gruppe, die es auf das Cover des renommierten amerikanischen Jazzmagazins »Down Beat« schaffte. 1995 und 1996 wurde Svensson in seiner Heimat zum Jazzmusiker des Jahres ernannt.

Der Sohn einer klassischen Pianistin und eines jazzbegeisterten Vaters nahm erst mit 16 Jahren seine ersten Klavierstunden.

»Musikalisch war er das Licht der Welt, weil er die Grenzen verschoben hat«, sagte sein Manager Burkhard Hopper über Svensson, »seine Musik hat Menschen in allen Ecken der Welt inspiriert.« Der Klaviervirtuose hatte laut Hopper einen inneren Drang zur Musik: »Er hat immer von sich gesagt, dass er seiner inneren Musik folgen würde.«

Die Internet-Seite
allaboutjazz.com berichtet, dass sich Svensson bei seinem Tauchunfall in der Nähe eines Anlegestegs befand. Er war mit anderen Tauchern zusammen und wurde »schwer verletzt« auf dem Meeresboden gefunden. Er konnte an Land nicht reanimiert werden.

»Er war ein unheimlich netter, bescheidener, respektvoller Mensch, der mit dem Herzen immer der Musik gefolgt ist«, sagte sein Manager Burkhard Hoppe dem »Hamburger Abendblatt«.

Siehe auch die Artikel von
Maxi Sickert @ ZEIT online | Wolfgang Sandner @ FAZ NET | Alex Rühle @ süddeutsche.de